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Jahreshauptversammlung der Feuerwehr Sinsheim

Immer mehr Einsätze für die Feuerwehr

Ehrenamtliche sollen weiter entlastet werden – Sinsheimer Gesamtfeuerwehr zog Bilanz

 Das uneingeschränkte Lob und die Anerkennung kamen aus berufenem Munde: „Sie sind professionell, einsatzerfahren und unverzichtbar“. Polizeioberrat Alexander Ulmer, Chef der Autobahnpolizei Walldorf, musste gerade in den zurückliegenden Monaten auf die Rettungsspezialisten der Sinsheimer Feuerwehr mehrfach zurückgreifen. Die Anzahl der schweren Verkehrsunfälle mit Lkw-Beteiligung hat nämlich dramatisch zugenommen. Laut Ulmer um 20 Prozent. Und seine Prognose für die künftige Entwicklung der Unfallzahlen auf der wichtigsten Ost-West-Verbindung ist alles andere als positiv. „Wir werden durch die Großbaustelle auf der A 6 zwischen Sinsheim und Wiesloch noch mehr Unfälle bekommen,“ ist sich der Polizeioberrat sicher. Denn mit aktuell 100 000 Fahrzeugen in 24 Stunden und einem weit über dem Durchschnitt liegenden Schwerverkehrsanteil von 30 Prozent müssen sich die Rettungskräfte auf arbeitsreiche vier Jahre einrichten.

Die düstere Vorschau konnte jedoch nicht die insgesamt sehr positive Bilanz der Gesamtfeuerwehr Sinsheim trüben. Die Wehrfrauen und -männer hielten auf der alle fünf Jahren stattfindenden Zusammenkunft jetzt in Waldangelloch Rück- und Ausblick. Mit das Wichtigste: Laut Gesamtkommandant Michael Hess gibt es keine Probleme mit dem Nachwuchs, alle 13 Einsatzabteilungen sind personell gut aufgestellt. Damit ist die Gesamtfeuerwehr Sinsheim mit 503 Aktiven und 37 Einsatzfahrzeugen größte Hilfseinrichtung im Rhein-Neckar-Kreis und zählt zu den großen Feuerwehren in Baden-Württemberg. Erheblich ist auch die Zahl der Einsätze gestiegen. Mussten die Floriansjünger im Jahr 2012 noch 307 Mal ausrücken, waren es 2016 zusammen 442 Einsätze.

Erfreulich das Interesse der Jugendlichen an Helm und Strahlrohr: Seit Jahren werden in den Abteilungswehren Jungen und Mädchen an den Feuerwehrdienst herangeführt. Die Zahl der Angehörigen aller Jugendfeuerwehren ist seit Jahren mit rund 170 Jugendlichen konstant. Einzig die so genannte Tagesverfügbarkeit bereitet Gesamtkommandant Hess Sorgen, wenn also während der Arbeitszeit der Alarmpiepser geht. „Dies wird eine unserer größten Herausforderungen in der Zukunft sein“, betonte er vor versammelter Mannschaft in der Eugen-Hagmaier-Halle.

Gleichzeitig gab der oberste Feuerwehrchef der Gesamtstadt die Richtung vor, wie das Problem gelöst werden kann: Es müssen weitere hauptamtliche Kräfte eingestellt werden, um die ehrenamtlichen Floriansjünger zu unterstützen. Seit 2015 gibt es bei der Feuerwehr Sinsheim zwei hauptamtliche Beschäftige, „das hat bereits zu einer bedeutenden Verbesserung und Entlastung der Ehrenamtlichen geführt“, unterstrich Michael Hess.

Obwohl die Hauptlast der Einsätze von der Abteilung Stadt geleistet werden, bekannte sich Oberbürgermeister Jörg Albrecht ohne Wenn und Aber zu den Abteilungswehren in den Stadtteilen. „Sie tun für die Bevölkerung unserer Stadt unendlich Gutes“. Deshalb werde der Gemeinderat nach Kräften die Abteilungswehren im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten unterstützen, denn „die Feuerwehr ist das Ruhekissen unserer Gesellschaft“, betonte unter Beifall OB Albrecht. Eigentlich reine Formsache war die Wahl der beiden Stellvertreter für den Gesamtkommandant. Auch künftig stehen Michael Hess bei der Vielzahl seiner Aufgaben Otmar Oehmig und Bernd Huber zur Seite.

Als absolut inakzeptabel verurteilte Marcus Zeitler die Angriffe auf Rettungskräfte, wie sie Angehörige des DRK und der Feuerwehr bei größeren Einsätzen zunehmend ausgesetzt sind. Der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbands Rhein-Neckar sprach auf der Versammlung der Sinsheimer Gesamtfeuerwehr (wir berichteten) von der Verantwortung des Staates, die freiwilligen Helfer vor derartigen Übergriffen zu schützen. Der Bürgermeister aus Schönau sieht dadurch das Ehrenamt in Gefahr: „Es kann nicht sein, dass wir uns von ein paar Vollidioten unser Engagement zum Schutz der Bevölkerung versauen lassen“.

Klare Worte fand der Feuerwehrsprecher ebenso zum Hick Hack bei der Standortdiskussion der Integrierten Leitstelle für den Rettungsdienst. Ladenburg sei nach wie vor erste Wahl, „die leidige Frage nach dem Standort muss endlich beendet werden“. In ungewohnt scharfer Form kritisierte Marcus Zeitler vor der versammelten Feuerwehrmannschaft die - seiner Ansicht nach - „völlig unzureichende Unterstützung“ der Feuerwehren im Rhein-Neckar-Kreis. Als größter Kreis im Land dürften nicht länger Provisorien bei der Ausbildung von Feuerwehrangehörigen herrschen, „wir haben hier die besten Ausbildungsstätten verdient“, betonte der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbands. „Wir sind schließlich in Baden-Württemberg die Nummer eins, das müssen die in Stuttgart endlich zur Kenntnis nehmen“.

Doch nicht nur verbale Spitzen teilte Marcus Zeitler aus. In seiner Eigenschaft als Verbandsvorsitzender ehrte er fünf Feuerwehrmänner für ihre besonderen Verdienste: René Ohr (Abteilungskommandant Dühren), Hans Jürgen Stößer (stellv. Abteilungskommandant Reihen), Marcus Mrasek (Abteilungskommandant Rohrbach) und Thorsten von Hausen (Kommandant Einsatzabteilung Sinsheim) erhielten das Ehrenkreuz des Kreisfeuerwehrverbands in Bronze. Und als besondere Überraschung wurde ebenso Sinsheims Oberbürgermeister Jörg Albrecht als „engagierter Interessensvertreter der Feuerwehr“ ausgezeichnet. Der OB erhielt für seine Unterstützung die Ehrenmedaille des Landesfeuerwehrverbands.

Kreisbrandmeister Peter Michels zog zum Abschluss seiner beruflichen Laufbahn ein Resümee, was in den zurückliegenden Jahren bei der Gesamtfeuerwehr Sinsheim an Gerätschaft investiert wurde. „Es war viel Geld, aber die hohe Anzahl der geretteten Menschenleben rechtfertigt jeden Cent für die Feuerwehr.“

 

Text : Michael Endres

Samstag, 25. November 2017

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